Rinder

Individuen mit Geschichte, Würde und eigener Stimme

Wer hier lebt

Zu unserer Rindergruppe gehören 5 Kühe und ein Ochse mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Einige von ihnen stammen aus landwirtschaftlicher Haltung, andere aus schwierigen Lebenssituationen. Alle eint, dass sie heute hier in Sicherheit leben dürfen.

Rinder sind mehr als man ihnen zutraut

Rinder sind hochsoziale, sensible Tiere mit einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Sie leben in stabilen sozialen Verbänden, bilden enge Freundschaften und orientieren sich stark aneinander. Innerhalb der Gruppe gibt es klare Beziehungen, Vertrautheit und auch Verantwortung füreinander – manche Tiere übernehmen ruhige, schützende Rollen, andere geben Orientierung oder Sicherheit.

Sie erkennen vertraute Menschen wieder, unterscheiden Stimmen, Bewegungen und Stimmungen und reagieren fein auf das Verhalten ihres Gegenübers. Viele Rinder sind aufmerksam, neugierig und lernfähig. Sie beobachten genau, merken sich Abläufe und reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrer Umgebung.

Auch Gefühle wie Freude, Unsicherheit, Stress oder Trauer zeigen sich bei Rindern deutlich – oft leise, aber eindrücklich. Verlust, Trennung oder neue Situationen wirken lange nach. Umgekehrt können Ruhe, Verlässlichkeit und respektvoller Umgang Vertrauen entstehen lassen, das tief und dauerhaft ist.

Rinder sind keine passiven Tiere. Sie kommunizieren klar, setzen Grenzen und treffen eigene Entscheidungen darüber, wie viel Nähe sie zulassen. Manche suchen aktiv Kontakt, andere bevorzugen Abstand. Beides ist Ausdruck ihrer Persönlichkeit – und verdient gleichermaßen Achtung.

Begegnungen mit Rindern auf dem Lebenshof

Begegnungen mit unseren Rindern sind bewusst entschleunigt und nicht vergleichbar mit klassischen Tierangeboten. Unsere Rinder leben hier nicht, um angefasst oder „erlebt“ zu werden, sondern um ihr Leben in Sicherheit und Würde zu führen. Nähe entsteht ausschließlich freiwillig – im Tempo der Tiere und ohne Erwartungshaltung.

Manche Rinder suchen von sich aus Kontakt, so wie Benjamin und Mathilda. Beide gehen gerne auf Menschen zu und lieben gemeinsame Spaziergänge. Andere bleiben lieber auf Abstand und beobachten aus der Ferne. Beides ist vollkommen in Ordnung. Wir achten darauf, ihre Signale wahrzunehmen und zu respektieren. Rückzug ist kein Desinteresse, sondern ein Ausdruck von Selbstbestimmung.

Besucher:innen erleben unsere Rinder vor allem durch gemeinsames Dasein: durch Beobachten, gemeinsame Zeit, ruhiges Verweilen. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, erfährt Begegnungen, die leise sind, ehrlich und oft tief berührend – ohne Inszenierung, ohne Zwang.

Diese Form der Begegnung braucht Offenheit und Achtsamkeit. Sie schenkt dafür etwas Besonderes: ein echtes Gegenüber, das nicht funktioniert, sondern einfach ist.

Sprache & Haltung

Wir sprechen von Rindern, weil es der korrekte biologische Begriff ist. In unserer Haltung bedeutet er jedoch nicht Nutzung, sondern Zugehörigkeit. Unsere Rinder sind Mitbewohner:innen dieses Hofes – keine Produkte, keine Funktionen, keine Kulisse.


Unsere Rinder – tierische Persönlichkeiten

Mit Namen, Charakter und eigener Geschichte

Mathilda


ehemalige Milchkuh, geb. 2011

Mathilda kam 2017 gemeinsam mit ihrem Sohn Benjamin zu uns auf den Hof – und mit ihr zogen Ruhe, Wärme und eine große innere Würde ein. Sie ist eine ehemalige Milchkuh, die viele Jahre für den Menschen funktionieren musste. Benjamin war ihr letztes Kalb – und zugleich das erste, das sie selbst aufwachsen sehen, begleiten und behüten durfte. Eine Erfahrung, die ihr niemand mehr nehmen kann.

Wie so viele Milchkühe wurde Mathilda bereits als Kälbchen enthornt. Die kleinen Stummel auf ihrer Stirn erzählen leise davon. Und doch hat sie sich ihre Feinfühligkeit und ihr liebevolles Wesen bewahrt. Heute darf sie bei uns einfach Kuh sein – ohne Erwartungen, ohne Druck, ohne Milchleistung.

Mathilda ist eine zutiefst freundliche, sanfte Seele. Mit beeindruckender Gelassenheit geht sie durchs Leben und strahlt dabei eine Ruhe aus, die ansteckend ist. Auf Spaziergängen schreitet sie ruhig und sicher voran – fast so, als wolle sie sagen: Ich zeige euch den Weg.

Und ja, auch Mathilda liebt Streicheleinheiten. Besonders unterm Kinn kann sie sie sehr genießen und steht dann oft mit geschlossenen Augen still – ganz bei sich.

Eine sanfte Leitfigur mit großem Herz – das ist Mathilda.


Benjamin – sanfter Riese mit Herz aus Gold
Ochse, geb. 2017

Benjamin kam als kleines Kälbchen gemeinsam mit seiner Mutter Mathilda 2017 auf unseren Hof – und ist seither unzertrennlich mit ihr verbunden. Ihre tiefe, liebevolle Bindung berührt alle, die den beiden begegnen, und zeigt, wie stark familiäre Bande auch im Tierreich sein können.

Inzwischen ist Benjamin zu einem imposanten, stattlichen Ochsen herangewachsen – deutlich größer als seine Mutter, aber mit einem Herz, das mindestens genauso groß ist. Er ist freundlich, gemütlich, unglaublich gutmütig und wickelt mit seinem sanften Wesen einfach jeden um den Finger.

Benjamin liebt den Kontakt zu Menschen und begegnet ihnen mit einer erstaunlichen Feinfühligkeit. Er genießt ruhige Spaziergänge, aufmerksame Zuwendung – und vor allem: Streicheleinheiten am Hals. Besonders glücklich macht man ihn mit getrockneten Eichenblättern oder einem Kiefernzweig als Snack.

Ein sanfter Riese mit wachem Blick, klarem Herzen und tiefem Vertrauen – das ist unser Benjamin.


Milka – starke Persönlichkeit mit neugieriger Seele
ehemalige Laborkuh, geb. 2017

Milka ist eine stattliche Holsteinerin mit einer besonderen Geschichte. Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern wurde sie als junges Kalb für Tierversuche eingesetzt – ein Schicksal, das viele Tiere nie hinter sich lassen dürfen. Doch nach Beendigung der Versuchsreihe wurden sie vom Tierschutzverein Hilfe für Labortiere Berlin e.V. übernommen – und fanden bei uns endlich ihr echtes Zuhause.

Bei uns auf dem Hof hat Milka sich prächtig entwickelt. Aus dem einst vorsichtigen Versuchstier wurde eine kraftvolle, lebendige Kuh mit klarem Charakter. Mittlerweile hat sie sogar ganz natürlich die Herdenführung von Mathilda übernommen – mit Präsenz, Durchsetzungskraft und einem guten Gespür für ihre Artgenossen.

Milka ist freundlich, neugierig und manchmal auch ein wenig übermütig. Sie liebt es, im Mittelpunkt zu stehen und zeigt ganz genau, was sie will – oder eben nicht. Ihre absolute Lieblingsstelle für Streicheleinheiten liegt zwischen den Ohren und den Hornansätzen – dort schmilzt selbst die starke Milka dahin.

Eine Kämpferin, die nie ihre Lebendigkeit verloren hat – und heute als Leitkuh mit großem Herzen durchs Leben geht.


Ronja – neugierige Riesenkuh mit Schleck-Garantie
ehemalige Laborkuh, geb. 2017

Ronja ist eine beeindruckende Erscheinung: die größte unserer fünf Kühe und die einzige in der Herde, die genetisch hornlos ist. Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern stammt sie aus einem Tierversuchslabor, wo sie als Kälbchen eingesetzt wurde. Nach Ende der Versuche übernahm der Tierschutzverein Hilfe für Labortiere Berlin e.V. die drei – und bei uns fanden sie endlich ein Zuhause, in dem sie einfach Kuh sein dürfen.

Ronja ist neugierig, menschenbezogen und voller Lebensfreude. Sie begrüßt Besucher oft auf ganz „kuhgemäße“ Art: mit einer großzügigen Ganzkörper-Schleck-Einheit von unten bis oben – was nicht bei jedem auf ungeteilte Begeisterung stößt, aber definitiv für Lacher sorgt.

Trotz ihrer Größe ist Ronja oft stürmisch wie ein Teenager und dabei absolut gutmütig. Am liebsten lässt sie sich ausgiebig am Rücken kraulen – dabei kann sie völlig abschalten und genießt jede Berührung.

Ronja ist eine sanfte Riesenkuh mit großem Herz, viel Neugier und einer ganz eigenen Art, Liebe zu zeigen. Wer sie kennt, liebt sie – spätestens nach dem zweiten Abschlecken.


Holly – leise Seele mit seidenweichem Herzen
ehemalige Laborkuh, geb. 2017

Holly ist eine zarte Holsteinerin mit einer stillen, tiefen Ausstrahlung. Wie ihre beiden Schwestern stammt sie aus einem Tierversuchslabor, in dem sie bereits als Kälbchen eingesetzt wurde. Nach ihrer Freigabe durch das Labor wurde sie vom Tierschutzverein Hilfe für Labortiere Berlin e.V. übernommen – und bei uns fand sie ein sicheres Zuhause, in dem sie einfach in ihrem eigenen Tempo ankommen durfte.

Holly ist die Schüchternste unserer fünf Kühe. Sie begegnet Menschen mit vorsichtiger Zurückhaltung und hält meist etwas Abstand – nicht aus Angst, sondern aus feiner Sensibilität. Sie beobachtet viel, wägt ab – und wenn sie Vertrauen gefasst hat, lässt sie Nähe zu. Dann genießt sie es, ausgiebig gebürstet oder am Rücken gekrault zu werden.

In der Herde nimmt Holly die rangniedrigste Position ein – und das ganz ohne Groll oder Ehrgeiz. Sie wirkt zufrieden in ihrer Rolle und findet ihren Platz in der Ruhe. Ihr seidig weiches Fell und ihr sanfter Blick machen sie zu einer ganz besonderen Erscheinung.

Holly erinnert uns daran, dass nicht jede Verbindung laut beginnt – und dass stille Nähe oft die tiefste ist.


Uschi – stille Ankunft, große Wirkung
ehemalige Milchkuh, geb. ca. 2020

Uschi kam im Herbst 2025 zu uns – mit müden Augen, aber einem starken Willen. Vier Jahre musste sie als Milchkuh funktionieren, ihr Körper gezeichnet von Entbehrung und Überforderung. Bei ihrer Ankunft lahmte sie stark – die Ursache war eine schmerzhafte, eitrige Entzündung an der Klaue, die ihr das Laufen zur Qual gemacht hatte.

Dass Uschi überhaupt die Chance auf ein neues Leben bekommen hat, verdankt sie einer ganz besonderen Person: Rosi – einer empathischen Mitarbeiterin aus dem Betrieb, aus dem Uschi stammt. Rosi hatte sich mit ganzem Herzen für die stille Kuh eingesetzt, ihre Not gesehen und nicht weggeschaut. Sie kämpfte dafür, dass Uschi nicht aussortiert, sondern gerettet wird – und brachte sie schließlich zu uns.

Mit viel Geduld, tierärztlicher Fürsorge und liebevoller Begleitung beginnt für Uschi nun ein neues Kapitel. Sie muss bei uns keine Milch mehr geben, keine Leistung erbringen – sie darf einfach da sein, in ihrem eigenen Tempo ankommen und heilen.

Uschi ist eine zurückhaltende, feinsinnige Kuh mit einem sanften Wesen. Sie beobachtet genau, bewegt sich vorsichtig – und zeigt dabei eine ruhige Würde, die tief berührt. Die Nähe anderer Tiere gibt ihr Halt, und in ihrer neuen Freundin Mathilda hat sie eine vertraute Begleiterin gefunden.

Besonders berührend: Trotz allem empfängt Uschi uns oft schon am Tor – mit vorsichtiger Offenheit und einer leisen Hoffnung, dass die Welt nun endlich gut zu ihr ist.

Uschi steht für all die Tiere, die lange übersehen wurden – und für Menschen wie Rosi, die mit Mut und Mitgefühl dafür sorgen, dass sich ihr Schicksal wendet.